"Rettet den Seeberg!"

Adonisröschen, Kuhschelle und verschiedene Orchideenarten - u.a. Herbst-Wendelorchis und Bienen-Ragwurz – Schwarzkehlchen oder Kammmolch, das sind nur einige Beispiele des großen Naturreichtums, den der Seeberg beherbergt. Ihre Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Dass der Seeberg nicht nur knapp die Hälfte der in Thüringen heimischen Blüten- und Farnpflanzen beherbergt, sondern unter seiner Pflanzen- und Tierwelt auch 204 Rote-Liste-Arten zu finden sind, zeigt die enorme Bedeutung, die er für den thüringischen Naturschutz besitzt. Als Naherholungsgebiet ist der Gothaer Hausberg zudem nicht nur für die Stadt Gotha, sondern auch für die Anrainergemeinden Günthersleben-Wechmar und Seebergen von großer Bedeutung.

Aber dieses Idyll ist seit Jahren in Gefahr, lagern doch auf dem Seeberg große Sandsteinvorkommen. Denn nachdem der bis ins Mittelalter zurückreichende Sandsteinabbau Ende der 1950er Jahre eingestellt wurde, erfolgte nach der Wende, 1991, gegen den breiten Protest der Bevölkerung seine Wiederaufnahme. Dieser hat sich binnen weniger Jahre zu einem regelrechten Raubbau entwickelt hat und steht im krassen Gegensatz zu der vom Mittelalter bis in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts kleinteiligen, vergleichsweise schonenden Gewinnung. Heute dagegen bleiben Mondlandschaften zurück, die massiv in das Landschaftsbild eingreifen und nur langsam von der Natur zurückerobert werden. Bei einem weiteren Fortgang des Sandsteinabbaus – die beiden dafür verliehenen Konzessionen reichen immerhin bis 2022 bzw. 2023 – droht nicht nur die Teilung des Seebergs, sondern durch Flächenverluste und das Absinken des Grundwasserspiegels eine irreparable Schädigung seines sensiblen Ökosystems.

Die Chronik des Widerstands ist lang und ereignisreich – Höhepunkte waren bspw. die Sammlung von 10.000 Unterschriften im Jahr 1994 und die Protestwanderung mit ca. 1500 Teilnehmern 2002 - und geprägt von einer Reihe höchst fragwürdiger Behördenentscheidungen, die stets die Interessen des Sandsteinabbaus über die des Naturschutzes stellten. Erwähnt sei hier nur die bei der 1999 vorgenommenen Ausweisung des FFH-Gebiets „Seeberg-Siebleber Teich“ unter fadenscheinigen Gründen erfolgte Ausklammerung von ca. 30 ha des Naturschutzgebiets „Seeberg“. Damit ist, entgegen aller Beteuerungen, auch zukünftig im Naturschutzgebiet Bergbau möglich, handelt es sich doch um ein Bergbauvorbehaltsgebiet – ein Schelm, der Böses dabei denkt. Die Unterstützung des Aktionsbündnis "Rettet den Seeberg" ist daher ein zentrales Anliegen unseres Kreisverbands, wird doch beim Umgang mit dem Seeberg der alte grüne Slogan „Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt“ in eindrucksvoller Weise charakterisiert.

Chronik des Sandsteinabbaus am Seeberg (1990-2004) © Heinz Hildebrandt)

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