21.05.2019

Von: Albrecht Loth

Kreisverband der Gothaer Grünen besichtigt bedrohten Schlosspark Reinhardsbrunn

Mit Schloss und Park Reinhardsbrunn verfügt der Kreis Gotha bekanntlich über ein Ensemble der Schloss- und Gartenbaukunst, das, mit Blick auf die bis zum Ende des 11. Jahrhunderts zurückreichende Klostergeschichte – Hauskloster der Thüringer Landgrafen - nicht nur als „Wiege Thüringens“ landesgeschichtlich von enormer Bedeutung ist, sondern dem als Schloss der Herzöge von Sachsen- Coburg und Gotha sowie gern genutzter Aufenthaltsort der englischen Königin Queen Victoria (1819-1901) und ihres Ehemanns, Prinzgemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha (1819-1861), auch international eine erhebliche kulturgeschichtliche Bedeutung zukommt.

Mit der in diesem Jahr endgültig erfolgten Enteignung von Schloss Reinhardsbrunn durch das Land Thüringen besteht nun endlich wieder Hoffnung für die „Wiege Thüringens“ und den dazugehörigen Schlosspark – einem beeindruckenden Landschaftspark mit wunderbarem Baumbestand. Der Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen Gotha hat das zum Anlass genommen, am vergangenen Sonntag eine Führung durch den Schlosspark Reinhardsbrunn anzubieten, um auf die vielfältigen Probleme, die sich infolge des 20-jährigen Leerstands und des damit einhergehenden massiven Verfalls, aufmerksam zu machen.

Immerhin begehen in diesem Jahr auch Queen Victoria (1819-1901) und Prinzgemahl Albert (1819-1861), denen Schloss und Park Reinhardsbrunn sehr am Herzen lagen, ihren 200. Geburtstag. Einen umfassenden Einblick gewährte Andreas Paasche, der sich seit vielen Jahren mit großem Einsatz ehrenamtlich im Förderverein Schloss und Park Reinhardsbrunn e. V. engagiert und als Parteiloser für Bündnis 90/Die Grünen für den Kreistag kandidiert. Und die Liste der Wünsche, die die Ehrenamtlichen an das Land Thüringen und den Kreis Gotha haben, ist lang, wie er ausführte. So stellt besonders die Pflege des umfangreichen Parks ein erhebliches Problem dar, können durch die ehrenamtlichen Helfer des Fördervereins, aber auch nicht vereinsgebundene Schlossfreunde, doch nur die Wege rund um das Schloss sowie die Wiesenflächen am Kavaliershaus, Rosenpark, Japanischen Garten und Bachlauf gepflegt werden. Die Pflege der hinteren Parkflächen ist durch ihre riesige Größe dagegen nur punktuell möglich und bedarf daher der professionellen Betreuung durch einen Landschaftspfleger, wie das bis vor wenigen Jahren noch der Fall war. Die Klärung, wer diese Aufgabe übernimmt, sollte daher nun möglichst zeitnah, noch in diesem Jahr, in Angriff genommen werden. Nicht weniger problematisch gestaltet sich der Zustand des wertvollen Baumbestands, der nicht nur dringend der Erfassung durch ein Baumkataster bedarf, sondern so schnell wie möglich erste Pflegemaßnahmen erforderlich macht, um weitere irreparable Schäden zu vermeiden, die bereits teilweise durch Sturmschäden entstanden sind. Ein Ärgernis stellen außerdem illegale Müllablagerungen wie asbesthaltiger Bauschutt bzw. ein Autowrack dar, deren Beseitigung durch das Landratsamt Gotha in Angriff genommen werden muss, was bisher leider unterblieben ist. Schließlich ist auch der zeitnahe Einsatz eines Sicherheitsdiensts nötig, um weitere Vandalismusschäden zu verhindern, die in der Zeit des jahrzehntelangen Leerstands immerhin zu massiven Beeinträchtigungen der Bausubstanz geführt haben. Das vermeidbare Niedergang des früheren schwarzburgischen, unter Denkmalschutz stehenden Jagdschloss Rathsfeld im Kyffhäuserkreis, das, nach der Wende durch den Freistaat Thüringen versteigert, mittlerweile zur als Totalverlust eingestuften völligen Ruine verkommen ist, sollte Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik ein warnendes Beispiel sein.

Als Fazit bleibt festzuhalten: Neben der anspruchsvollen Frage eines tragfähigen Nutzungskonzepts, die das Land und die kommunale Ebene aktuell und in den nächsten Monaten bzw. Jahren beschäftigen wird, ist die Einbringung von Schloss und Park Reinhardsbrunn in die neuzugründende Mitteldeutsche Schlösserstiftung aus unserer Sicht unumgänglich. Nur so können die enormen finanziellen Herausforderungen, die dessen Sanierung erforderlich macht, abgesichert werden. Aber auch der Landkreis Gotha steht in der Pflicht, sich über die bisher ergriffenen Maßnahmen wie die Finanzierung der Notsicherung hinaus, im Rahmen seiner Möglichkeiten zu engagieren. Die Bereitstellung vergleichsweiser überschaubarer finanzieller Mittel, um zumindest die dringendst notwendigen Landschaftspflegemaßnahmen abzusichern ebenso wie die Beseitigung von illegalen Müllablagerungen dürften hierbei keine unüberwindbaren Hürden darstellen. Ein auch überregional so bedeutendes kulturgeschichtliches Juwel, wie es Schloss und Park Reinhardsbrunn darstellen, sollte uns das wert sein.

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